Das „böse“ Zerrspiel

Es gibt so viele Mythen und Märchen
über das Spielen mit dem Hund. Aber vor allem ist das Thema „Zerrspiele“ heiß begehrt. Denn ein Hund darf niemals ein Zerrspiel gewinnen!
Weil:
– Der Hund wird dominant
– Der Hund sieht sich dann als Chef
– Der Hund verteidigt seine Beute
– usw.

Aber ist das wirklich so? Stellen Sie sich mal vor: Sie spielen mit Freunden “Mensch ärgere dich nicht“ und würden ständig verlieren…Wieviel Lust und Spass hätten Sie noch daran mit ihren Freunden weiterzuspielen?
Wenn es wirklich so wäre, dass der Hund durch ein Zerrspiel dominant würde oder sich dann als Chef sehe…Wer ist dann der Chef einer Welpengruppe? Welpen zerren auch im Rudel miteinander. Dies gehört zum ganz normalen Verhaltensrepertoire der Hunde. Kaum schleppt einer der kleinen Fellnasen ein Handtuch oder eine gefundene Socke herbei, wird auch miteinander gezerrt. Natürlich findet da auch ein Kräftemessen statt, allerdings miteinander und nicht gegeneinander.

Vielleicht können Sie sich ja an eine Geburtstag- oder Schulfeier in ihrer Kindheit erinnern
bei der man Tauziehen “gespielt“ hat. Ging es da um einen Status oder um Spass? 😉
Hunde lieben Zerrspiele und natürlich muss der Hund auch gewinnen. Wenn sich der Hund ständig einen abrackert um an die Beute zu kommen und dann immer wieder verliert, dann verliert er auch die Lust und Freude daran mit seinem Menschen zu spielen.

Spiel ist Rollentausch!
Hunde lernen im Spiel dem Spielkameraden zu vertrauen. Allerdings nur, wenn dieser sich
vertrauensvoll verhält. Er lernt bzw. achtet darauf seine Kräfte und auch seinen Körper
angepasst einzusetzen. Egal wie der Hund beim Zerrspiel agiert…Er darf ziehen und zerren um mehr Raum zu gewinnen, dies muss er sogar! Er darf daran rumrütteln und er darf dabei auch knurren. Denn auch das Knurren gehört zum Spielverhalten dazu. Spiel schafft einen Ausgleich zur Realität für den Hund.

Das Spielverhalten eines Hundes erkennt man an einigen Merkmalen:

– Handicaps (z.B. Vorderkörpertiefstellung) 
– übertriebene Körperhaltung
– übertriebene Bewegungen
– übertriebene Mimik und Gestik z.B. das Spielgesicht
(die Mundwinkel sind weit nach hinten gezogen, was wie ein „Lächeln“ oder „Grinsen“
aussieht), weit aufgerissene Augen, weit aufgerissener Fang und auch mal Zähne zeigen,
Nasenrückenrunzeln, Knurren und all das bei einer entspannten Körperhaltung.

All diese Verhaltensweisen, zeigt der Hund auch beim zerren. (im Spiel)
Und mal ehrlich: Wenn ein Hund so übertriebene Bewegungen macht mit allem was dazu
gehört und dabei knurrt, kann man den Hund bzw. das Knurren dann noch ernst nehmen? 😉

Spielen dient dem gegenseitigen Vertrauen. Und dazu zählen auch die Zerrspiele! Sie
vertrauen darauf mal zu gewinnen und mal zu verlieren. Wenn der Hund immer nur verlieren, verliert er auch das Vertrauen zum Menschen.

Also je mehr Gas der Hund gibt, umso nachgiebiger sollte der Mensch sein (damit der Hund Raum gewinnt) und dann geben Sie die Beute frei. Viele Hunde präsentiere ihre gewonnene Beute dann ganz stolz oder entfernen sich mit ihr. Gönnen Sie ihm den Triumph, die Beute ergattert zu haben. Ziehen Sie sich zurück oder machen Sie ihm eine neue Spielaufforderung. Damit geben Sie ihrem Hund die Möglichkeit zu lernen, dass es sich lohnt mit der Beute zu Ihnen zurückzukommen.

Erziehungsmaßnahmen und Kommandos sind hier total fehl am Platz. In dem Moment in dem Sie auf die Beute bestehen, ist für den Hund das Spiel beendet und er wird es nicht wagen zu Ihnen zurückzukommen um weiterzuspielen.
Aber hat ein Hund die Erfahrung gemacht, dass das Spiel weitergeht, wenn er mit der Beute zurückkommt, dann wird er es schleunigst tun, damit der Spass weitergeht.
Im Spiel soll es dem Menschen um den Spass gehen und nicht ums Gewinnen oder Verlieren.

Fakt ist: Im Spiel geht es einfach nur ums Spiel!
Denn je mehr Souveränität Sie im Spiel beweisen, desto mehr traut Ihnen ihr Hund auch in
Alltagssituationen zu!

Ein sehr vertrautes Zerrspiel zwischen Hund und Halter. ;)

© Kathrin Pschiklenk

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