Er ist stur…er ist dickköpfig…er ist ignorant!

Diese und weitere Aussagen höre ich
immer wieder von Hundehaltern über ihren Hund.
Ob der Hund es aber tatsächlich ist, steht auf einem anderen Blatt. Oft neigen die Menschen viel zu schnell dazu ihrem Hund etwas anzuhängen, was gar nicht ist.

 

Ein Hund ist nicht von Natur aus stur, dickköpfig oder ignorant. Sie tun lediglich das, was für sie Sinn macht, logisch ist und sie zum Erfolg bringt. UND auf das, was wir ihnen senden.

Oft begegne ich Menschen mit ihrem Hund, die von ihrem Hund etwas abverlangen ohne dem Hund die dazugehörigen Signale zu senden oder sich die körpersprachlichen Signale mit dem Wort sogar widersprechen.
Der Hund steht da, schenkt Aufmerksamkeit und ist somit Gesprächsbereit, aber vom Menschen erfolgt kein weiteres Feedback.

Hier nur mal ein kleines Beispiel dafür: Sie gehen mit ihrem Hund durch den Wald oder Park, ihr Hund läuft einige Meter vorweg oder auch hinter Ihnen und schnüffelt die Umgebung ab. Aus irgendwelchen Gründen sprechen Sie ihren Hund an (mit dem Namen oder es folgt einfach nur ein Kommando). Ihr Hund hebt den Kopf, schaut Sie an und schnüffelt dann aber gemütlich weiter.

Kennen Sie diese Momente? Fragen Sie sich warum das so ist?

Nun ja…Der Hund bietet dem Menschen in den meisten Fällen ein Gespräch an (indem er Blickkontakt aufnimmt), aber der Mensch nimmt dies entweder gar nicht als „Gespräch“ wahr oder es kommt kein angebrachtes/eindeutiges Feedback zurück. Meistens wird der Mensch entweder im Ton schroffer oder stellt dem Hund sogar körpersprachlich eine Bedrohung dar. Der Hund reagiert also logisch und tut weiterhin das was Sinn macht und schon heißt es: „Der ist so stur!“ oder „Der ist so dickköpfig!“ oder „Der ist so ignorant!“

Haben Sie sich schon mal gefragt, ob Ihr Hund das in dieser oder in einer anderen Situation auch von Ihnen denkt? 😉

Oft ist dem Menschen gar nicht bewusst, wie er/sie auf den Hund wirkt oder was er/sie mit der eigenen Körpersprache ausdrückt. Wir müssen uns aber darüber bewusst werden, wie wir auf unseren Hund wirken und was wir mit unserer Körperhaltung ausdrücken/senden. Es geht nicht immer nur darum, den Hund zu lesen und zu verstehen, sondern auch darum, wie WIR auf den Hund wirken und was bzw. wie WIR es ausdrücken.
Nachdem Sie ihrem Hund etwas gesendet haben, müssen Sie nur die Reaktion ihres Hundes beobachten/wahrnehmen. Es ist keine Schande, wenn nicht sofort die Reaktion erfolgt, die sie „erwartet“ haben. Die Reaktion Ihres Hundes gibt Ihnen nämlich Informationen darüber, was er tatsächlich verstanden hat bzw. was bei ihm angekommen ist. Und auf diese Reaktion sollte wieder ein weiteres Feedback von Ihnen erfolgen. Wählen Sie im Notfall einfach einen anderen Weg, wenn der erste nicht zum Ziel geführt hat. Das ist Kommunikation!

Wenn Sie also beim nächsten Spaziergang wieder in so eine Situation kommen sollten…Fangen Sie an sich selbst zu durchleuchten, bevor Sie den „Fehler“ beim Hund suchen.
„Welche Signale habe ich gesendet? War ich für meinen Hund klar und eindeutig in meiner Kommunikation oder hat er mich einfach nicht verstanden? Oder: Welche Außenreize waren vielleicht mit im Spiel?“
Wenn der Fokus meines Hundes komplett auf einen Außenreiz gelegt ist, dann hat er gar nicht die Möglichkeit mich wahrzunehmen, wenn ich auf Distanz stehe und nur ein „gesprochenes Wort“ folgt. Betrachten Sie also die jeweilige Situation im Ganzen und schauen Sie, ob Sie in dem Moment überhaupt Zugang zu/in „seinen Kopf“ haben. Sollte dies der Fall sein, dann machen Sie sich körpersprachlich für Ihren Hund bemerkbar (z.B. indem Sie einfach mal ein paar Schritte auf ihn zugehen).

Wenn ich mir dessen nicht bewusst bin, was ich meinem Hund sende, ich meinem Hund einfach nicht klar und eindeutig gegenüber getreten bin oder die Außenreize eine zu große Rolle spielen…dann hat das Verhalten meines Hundes weder etwas mit Sturheit, Dickköpfigkeit oder Ignoranz zu tun.

Hunde reagieren immer nur auf das, was wir ihnen senden bzw. kommunizieren.
Und zwischen „sagen“ und „meinen“ liegen manchmal (ohne das es uns bewusst ist) Welten. 😉

© Kathrin Pschiklenk

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